Auf ein Wort

Katja Hofmann ist Niederlassungsexpertin. Sie berät mit Ihren Kollegen Ärzte, die den Weg in die ambulante Versorgung gehen wollen – und findet für sie oft individuelle Lösungen.

Was sind das für Ärzte, die in die Beratung kommen?

Das Tolle an unserer Arbeit als Zulassungs- und Kooperationsberater ist: Wir treffen die unterschiedlichsten Menschen an den unterschiedlichsten Punkten in ihrem Leben, angefangen von den ganz jungen Ärzten, die sich zum Teil noch in der Weiterbildung befinden und erst einmal grob die nächsten Schritte in die Zukunft planen wollen. Dann sehen wir die, die bereits sehr konkrete Ziele haben, sich direkt niederlassen möchten und meist auch schon genau wissen, wohin es für sie gehen soll bzw. welche Praxis sie übernehmen oder in die sie einsteigen möchten. Es kommen Ärzte jeden Alters zu uns, auch ältere, die mitunter schon viele Arbeitsjahre in der Klinik verbracht haben und nun doch noch mal den Schritt in die Selbständigkeit wagen wollen.

Für die meisten von ihnen sind geregelte Arbeitszeiten wichtig – außerdem freie Wochenenden und Nächte, wobei die Bereitschaftsdienstzentralen dies natürlich leichter machen. Was für viele die Niederlassung attraktiv macht: Wechselschichten und belastende, nicht enden wollende Dienste sind passé. Und sie bietet die Chance, den Arbeitsalltag flexibel zu gestalten und eigene Entscheidungen zu treffen, aber eben auch die Möglichkeit, die Patienten so zu versorgen, wie man es sich selbst vorstellt. Das ist für viele ein ganz großes Plus.

Sollte man als Arzt eigentlich ganz konkrete Vorstellungen mitbringen?

Ich persönlich finde es großartig, wenn es die schon gibt. Manche Ärzte sind perfekt vorbereitet und kommen mit Listen, durchgearbeiteten Broschüren und Zeitplänen zu mir. Dann können wir das große Ziel oft sehr schnell planen und verwirklichen. Aber auch ohne konkrete Pläne lässt sich in einer Erstberatung oft schnell herausfinden, welcher Weg der passende für den jeweiligen Kandidaten ist.

Wie läuft eine Beratung normalerweise ab?

Meine Kollegen und ich erfragen schon im Vorfeld einer Beratung recht genau, was geplant ist – und auch wo, zu welchem Zeitpunkt, mit wem und so weiter. So sind wir bestens vorbereitet für das persönliche Gespräch. Häufig bringen die Ärzte sogar ihren Ehepartner mit. Im Gespräch selbst erklären wir oft erst mal die Grundlagen.

Das fängt an beim Arztregister- und Wartelisteneintrag und geht über die Aufteilung der Fachgruppen in Planungsbereiche bis hin zur Bedarfsplanung und zum Versorgungsgrad. Wir zeigen Möglichkeiten auf, einen Praxisabgeber zu finden, weisen auf Ausschreibungen hin, bewerten potentielle Standorte und gehen auf betriebswirtschaftliche Aspekte und bei Bedarf auch auf die Vertragsgestaltung mit dem Praxisabgeber ein. Aber ebenso sind die vertragsärztlichen Pflichten und vieles mehr Thema, darunter die Präsenzpflicht, die Fortbildungsverpflichtung und die Teilnahme am Bereitschaftsdienst. Wir legen in der Regel auch schon einen konkreten Fahrplan fest, damit klar ist, wann welcher Schritt erfolgen muss und wo welche Unterlagen eingereicht werden müssen. So gibt es einfach die bestmögliche Planungssicherheit. Je nach Vorhaben sind aber auch schon mal mehrere Termine nötig.

Ist auf Beraterseite auch schon mal Kreativität gefragt? 

Ganz ehrlich: Ohne Kreativität geht gar nichts. Jedes Vorhaben ist individuell, jeder Fall ist anders. Oft sind die Vorhaben sehr komplex: Es gibt mitunter viele beteiligte Ärzte und Praxen, häufig auch über mehrere Standorte. Das muss man manchmal erst einmal skizzieren. Wir erfragen die Vorstellungen des Einzelnen sehr genau und pflegen Vermittlungslisten für Abgeber und Interessenten, durch die die Kandidaten dann die Möglichkeit haben, Kontakte zu knüpfen. Auch unser Anzeigenmarkt ist hierfür ein hervorragendes Medium. Bei manchen reicht ein einziger Kontakt aus – Abgeber und Übernehmer sind sich sofort einig. Andere sehen sich viele Praxen an und entscheiden erst dann. Das ist sehr individuell.

Welche Tipps sollten Ärzte beherzigen, die über eine Niederlassung nachdenken?

Jeder, der sich niederlassen will, sollte sich im Vorfeld klarmachen, wohin es gehen soll: Soll es eine Einzelpraxis sein oder eher eine Kooperation? Heißt: Ist man der Typ für eine Partnerschaft oder trifft man Entscheidungen lieber alleine? Das sollte wirklich gut überlegt sein. Wichtige Fragen, die man vorher für sich beantworten sollte, sind auch: Stadt oder Land, kleine oder große Praxis, zu welchem Zeitpunkt passt die Selbständigkeit ins Leben? Auch das Leistungsangebot sollte bedacht werden, genauso wie die wirtschaftliche Situation und die Finanzierung – aber hier hilft ja auch die BWL-Beratung der KV RLP.

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